Klinische Hypnose

Hypnose gilt als ältestes Verfahren mit medizinischer, psychotherapeutischer und psychosomatischer Tradition. Die mit ihrer Hilfe induzierte Trance kann als Bewusstseinszustand mit vermehrter psychosomatischer Durchlässigkeit und kognitiver Flexibilität betrachtet werden (verbesserte Vorstellung, Assoziations- und Dissoziationsfähigkeit, Wahrnehmungs- und Zeitverzerrung u. a.). Hypnose umfasst als Sonderform solche Verfahren wie Meditation, autogenes Training, Entspannung u. ä.

Die Erklärung der Hypnose und ihrer Erscheinungen stützt sich auf verschiedene Forschungsbereiche der Wahrnehmungs- und Kognitionspsychologie (subliminale Wahrnehmung) der Sozialpsychologie und Psychophysiologie.

Es sind zahlreiche Auswirkungen des hypnotischen Zustandes auf physiologische Korrelate nachgewiesen:

  • hirnphysiologisch (Durchblutung,
    theta-Aktivität, evozierte Potentiale)
  • endokrinologisch (Stresshormone)
  • immunologisch (Leukozytenmobilität, bessere Wundheilung)
  • zentralnervös (Tonusveränderung)
  • vegetativ (trophotrope Umstellung).

Diese Veränderungen haben erhebliche Bedeutung für die klinischen Anwendungen der Hypnose im Bereich der Schmerz-, Angst- und Stressbewältigung, der Behandlung allergischer Reaktionen und für die Wundheilung.

Bei der zeitgenössischen Hypnotherapie steht nicht die Suggestibilität des Klienten und die Fremdbestimmtheit hypnotischer Behandlung im Vordergrund, sondern die veränderte Informationsverarbeitung unter Trancebedingungen. Daraus leiten sich eine Reihe von Therapieprinzipien ab, die zum großen Teil auf Erickson zurückgehen.

In der Hypnotherapie wird der Klient angeleitet, eigene Ressourcen so zu nutzen, dass er Verhaltensmuster verändern kann, defizitäre oder traumatische Erfahrungen ebenso wie Schmerzen verschiedener Art verändert wahrnimmt und psychophysiologische Prozesse anregt, die eine somatische Heilung unterstützen.

Die Wirksamkeit der Hypnotherapie ist in Zahlreichen kontrollierten Untersuchungen nachgewiesen. Hier wurden 74 experimentelle Gruppenstudien mit insgesamt über 5000 Klienten zusammengetragen. Damit ist der empirische Status dieses Verfahrens im Bereich der Psychotherapie mit dem anderer anerkannter Methoden durchaus vergleichbar (Meyer et al., 1991; Smith et al., 1980).

Hypnose ist in vielen Bereichen als Ergänzung zu medizinischen und psychotherapeutischen Behandlungsformen einzusetzen. Solche Bereiche sind etwa Wundheilung, Schmerzbewältigung in Chirurgie, Geburtshilfe, Zahnheilkunde, die Tumorbehandlung und die Behandlung chronischer Schmerzen. Bei vielen psychosomatischen Störungen (bestimmten Dermatosen, allergischen Reaktionen oder ulcerösen Erkrankungen) hat die Hypnose sich unterstützend als nützlich erwiesen. Bei einer Reihe von Verhaltensproblemen (Rauchen, Übergewicht, u.ä.) hat sich die Kombination mit verhaltenstherapeutischen Interventionen bewährt.

 

 

 

Hypnotherapie nimmt in gewisser Hinsicht einen Sonderstatus unter den Therapieformen ein. Sie ist von den anthropologischen Prämissen her eine humanistische Psychotherapie, ohne forschungsfeindlich zu sein, wie etwa die Gestalttherapie. Sie kann in ihrer Begründung auf sehr unterschiedliche Befunde empirischer Grundlagen- und Anwendungsforschung zurückgreifen. Sie ist in der Vorgehensweise problemorientiert und direktiv, wie die Verhaltenstherapie, betrachtet dabei aber die Transparenz der Intervention nicht als notwendige Voraussetzung für deren Nützlichkeit. Sie bezieht sich wissenschaftstheoretisch auf eine konstruktivistische Grundposition, hat aber nicht darauf verzichtet, ihre Befunde mit positivistischen Methoden abzusichern. Sie ist außerdem eine medizinische Behandlungsmethode, die sich dabei psychologischer Mechanismen bedient und eine psychologische Behandlungsmethode, die ohne Kenntnis somatischer Mechanismen nicht angewendet werden kann. Sie stellt ein Bindeglied zwischen beiden Aspekten der psychosomatischen Betrachtung dar. Die Hypnotherapie nimmt daher in fachwissenschaftlicher wie berufspolitischer Hinsicht eine Mittlerrolle ein.

Hypnotherapie unterscheidet sich von der Technik der Hypnose durch eine Reihe von Charakteristika. Sie verbindet tiefenpsychologische Betrachtungsweisen der Störungsgenese mit praktisch verhaltenstherapeutischen Vorgehensweisen der Einübung und Exposition. Sie nutzt kognitiver Interventionen sowohl zur Umstrukturierung (Fixierung von Bedeutung) wie zur Konfusion (Labilisierung von Bedeutung). Außerdem wurden systemische Strategien insbesondere von der Hypnotherapie Erickson abgeleitet, die sich u.a. ind er Familientherapie wiederfinden. Hypnotherapie hat bei relativ breiter theoretischer Anbindung an die allgemeine Psychologie und Psychophysiologie aufgrund der technischen Vielfalt und der empirischen Validität gute Voraussetzungen zu einer Therapieform sui generis.

Eine Ausbildung zum Hypnotherapeuten in diesem Sinne sollte etwa folgende Module beinhalten: tiefenpsychologisch fundierte Entwicklungspsychologie; operante und respondente Verhaltenstherapie; verhaltenstheoretische Problemanalyse; psychiatrische Diagnostik; kognitive Therapie; Psychosomatik; humanistische Psychologie und Psychotherapie; systemische und strategische Prinzipien; Induktions- und Vertiefungstechniken; regressive und progressive Problembearbeitung; symptom- und problemorientierte Hypnotherapie; direkte, indirekte und metaphorische Suggestionstechniken; therapeutische Selbsterfahrung; zwecks Beleuchtung der therapeutischen Beziehung.

Diese Ausbildung müsste mit ambulanter und stationärer klinischer Tätigkeit verknüpft sein, so dass Bekanntheit mit einem breiten Spektrum von Störungsbildern gewährleistet ist.

(Quelle: Hypnose und Hypnotherapie, Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose (M.E.G.), München)

Weitere Informationen zur Hypnose finden Sie unter
www.meg-hypnose.de

 

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